21. März 2008

Die italienischen Schuhe - Henning Mankell

Fredrik Welin, ehemaliger Chirurg, hat sich nach einem Fehler bei einer Operation zurückgezogen. Auf eine Insel in den Schären, wo er nur noch dem Postboten begegnet. Hund und Katze leisten ihm noch Gesellschaft.
Da steht eines Morgens dann eine alte, schwerkranke Dame vor seinem Haus.
Von dieser Frau lässt er sich dann doch noch überreden, an einen kleinen Waldsee in Nordschweden mit zu fahren.
Es wird eine Reise in die Vergangenheit, voller unverhoffter Begegnungen.

Es werden zwar interessante Themen, Geschichten in Henning Mankell´s Roman geboten. Aber ich fand alles zu oberflächlich, und inhaltlich sehr reduziert. Der recht schöne Anfang des Buches, kann mit dem Rest leider nicht mehr mithalten.


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Bewertung: 4 von 10

28. Februar 2008

Der lange Gang über die Stationen – Reinhard Kaiser-Mühlecker

Theodor ist Bauer in Oberösterreich, hat eine kleine Wirtschaft und lebt dort mit seinen Eltern. Er heiratet dann eine Frau aus Linz, und sie ist die Richtige, sagt die Mutter.
Seine Frau ist sehr fleißig und brav, sie haben sich sehr gerne.
Theodor beginnt mit dem Bau eines Schafstalles, ein Schaf läuft ja schon fröhlich herum. So, wo nehme ich nun das Geld für die Seitenwände her, und der Frau kann ich zum Geburtstag auch nichts kaufen, das Geld, es wird sonst zu knapp. Und meine Frau fährt nun immer öfters wieder mit dem Zug in die Stadt.

Wissen sie wie das früher war, wie sich der Bauer mit dem Messer noch die Zehennägel ausgeputzt hat und beim Gang in den Stall den Rotz mit den Fingern in die Wiese warf.
Die Frau mit der Mutter hinterm Herd in der Küche steht, ohne Worte, und der fleißige hungrige Bauer dann zum Essen an den Tisch sitzt, ohne Worte.


„Theodor, sagte sie, die jetzt bei mir Angekommene, und setzte sich neben mich ins Gras. „Was sitzt du da alleine auf dem Hügel herum?“
Eine Brise fuhr uns beiden durch das gewärmte Haar. Ich rutschte ein Stück nach vorne und legte mich nach hinten – ein paar Vögel im Himmel, ihre sich kreuzenden Flugbahnen – und schloss die Augen.
„Dein Leben, sagte ich langsam und musste mich nicht bemühen, nachdenklich zu wirken, wie war dein Leben vorher?“ Unter meinem Kopf das zusammengeballte Hemd, das ich ausgezogen hatte, als ich auf dem Hügel angekommen war. Das Gehen hatte mich angestrengt, mir war heiß geworden, und da hatte ich es ausgezogen. So, wie ich vorher gesessen war, lag ich nun: im weißen Unterhemd und mit dieser Frage im Kopf.
Sie legte sich zu mir, ihr Kopf auf meiner Brust, ihr warmer Atem, Sommerluft, und gab keine Antwort.

Der junge 25-jährige Schriftsteller, bekam mit seinem ersten Roman den Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung überreicht.

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Bewertung 5,5 von 10

25. Februar 2008

Die kommende Welt - Dara Horn

Das Buch erzählt die Geschichte über ein gestohlenes Chagall-Gemälde, und eine damit verbundene russisch-jüdische Familiengeschichte.
Das Gemälde ist in einem jüdischen Museum in New York ausgestellt und wird von Benjamin Ziskind, einfach wieder „mitgenommen“, in der Annahme, dass dieses Gemälde seiner Familie zu steht. Eine Darstellung aus Traum und Wirklichkeit.

Es wird gut dargestellt, dass archaische Familiengebote auch in der kommenden Welt, das Leben jüdischer Familien bestimmt.
Basierend auf dem jüdischen Glauben und deren Kultur, findet man in diesem Roman interessante Informationen, wie z.B. der Glaube über das Leben vor und nach dem Tod gelehrt wird. Die Autorin wechselt die Zeitebenen durchgehend im laufe des Romans und verwebt die Geschichten der Protagonisten in vielfältiger Weise miteinander.
Ein Gesamtbild, findet man erst nach und nach heraus, es wird also folglich, erst zum Schluss hin interessanter, schärfer.


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Bewertung 5 von 10

15. Februar 2008

Kalter August - Peter Temple

Dieses Buch wird unter der Kategorie „Krimi“ eingestuft. Wenn man kein Krimileser ist, sollte man sich bitte nicht davon abschrecken lassen, dieses Buch in die Hand zu nehmen und zu lesen. Man wird belohnt, für die Stunden mit diesem Kriminalroman.

Die Kriminalgeschichte selbst ist sehr interessant und informativ über das Leben in Australien. Korruption, politische Intrigen, Rassismus.
Und der Protagonist „Joe Cashin“- Detective Senior Sergant Joe Cashin, Cop der Melbourner Mordkommission, dieser Mann, seine Erscheinung, sie fesselt, bis zur letzten Seite.

Was ist es nun gewesen, ein Unfall oder die Ermordung von Mr. Bourgouynes in seinem Haus? Die Uhr aber, die Burlington, die fehlt an der Hand des Toten. Und welcher Schluß wird daraus gezogen, eben der einfachste. Es werden Aborigines gewesen sein, keine Arbeit, immer mit Alkohol und Drogen in Verbindung und Geld brauchten sie. Bald findet man einen Weg zu ihnen. Doch einer der verdächtigen Jungs ist ein Neffe eines Politikers. Vorsichtig, nicht zu weit nachforschen! Doch Vorsicht ist in diesem Fall zu wenig, während der Ermittlungen wird Detective Cashin, beurlaubt! Wie weit kann er sich jetzt noch vor wagen.

Peter Temple hat durch den introvertierten Detective und dessen Privatgeschichte die man so intensiv miterleben kann, wirklich etwas wundervolles und doch schreckliches für uns niedergeschrieben. Der Roman ist einfach fesselnd und durchgehend spannend.
Die Sprache oft rotzig aber immer mit Kraft und Biss, nirgends ein Gramm Wortfett.


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Bewertung: 9 von 10

17. Jänner 2008

Die Lämmer des Herrn - Yasmina Khadra

Als ich das Buch fertig gelesen hatte, war mein erster Gedanke „bin ich froh, dass ich in einem Land geboren wurde, in dem man sein Leben, leben DARF“.
Es ist das dritte Buch, dass ich vom algerischen Autor Mohammed Moulessehoul (Yasmina Khadra-Pseudonym) gelesen habe. Und wieder öffnet er einem die Augen wie schrecklich, grausam, radikal, der Islamismus in Algerien gelebt wird.
In dieser Geschichte wird einem genau der Zerfall eines Dorfes, und der dort geborenen Menschen, Freunde, Familien geschildert. Die Verwandlung eines ruhigen Dorfes in eine Festung und wie sich die Religion in ein Trojanisches Pferd verwandelt.
Den Beginn und das Ende der Freundschaft von Allal dem Polizisten, Kada dem Lehrer und dem arbeitslosen Jafer.
Yasmina Khadra schreibt, wie in jedem Buch spannend, herzzerreißend und gleichzeitig großartige Literatur.

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Bewertung 8 von 10


8. Jänner 2008

Der schwarze Regen – Flavio Soriga

Ein Buch mit einer großen Erzählkraft, intensiv und sehr ergreifend geschrieben, und so schön zu lesen. Ein junger Schriftsteller, den ich gerne weiter empfehlen möchte!

Sardinien, das Land das in der Vergangenheit verharrt! Dort liegt auch das Dorf Nuraió mit dem Carabiniere Maresciallo Crissanti, der in diesem Dorf ohne den Drang nach Fortschritt, nach Veränderung, ein Verbrechen aus Leidenschaft, aufzuklären hat. Zuerst scheint es ganz eindeutig zu sein, dass es der Ehemann Efisio Marras war. Er hat es doch allen in der Wirtsstube gesagt, dass er Sie umbringen wird. Alle dort waren Zeugen!
Keiner im Dorf hat Interesse daran, dass es vielleicht ein anderer gewesen sein könnte, einer Ihrer Liebhaber vielleicht. Nein, bloß keine Nachforschungen, kein Carabiniere Maresciallo Crissanti, der diesen Fall klären soll. Im Dorf soll alles so bleiben, wie bisher, traurige, gierige, frustrierte Männer, die dick gewordene oder geradezu fette Frauen unterdrücken. Landsleute, Bauern die von Europa und von Unserer Lieben Mama der Region bezahlt werden.

Es war ein kurzes, sehr intensives eintauchen in das Leben auf Sardinien. Ich bin noch immer sehr beeindruckt davon, danke Flavio Soriga.



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Bewertung 9 von 10

30. Dezember 2007

Don Juan de la Mancha - Robert Menasse

Man liebt nicht, weil man sich verliebt. Man liebt, weil man in einem Zustand ist, in dem man die Lieber für sich beschließt.
Ganz anders, schön und interessant, wie Menasse Liebe beschreibt, doch ist es so richtig? Wer weis.
Im Laufe des Romans, gibt uns Nathan, der Don Juan in diesem, sehr beruhigend zu lesenden Buch, noch einige solcher Sätze, mit.
Robert Menasse will uns mit diesem Buch keine Lösungen von Suchenden Don Juans mitgeben. Wir können den Don Juan beim Suchen begleiten und werden dabei zum Nachdenken und Lachen verführt.
Nathan, ein Redakteur einer Zeitung, versucht sein Glück zu finden, das Glück in der Liebe. In einige seiner Liebschaften lässt er uns Einblick nehmen, schildert uns seine Versuche, die Leidenschaft zu finden, die er auch in seiner Ehe nicht gefunden hat?
Ganz einfach und unterhaltsam ist das Buch geschrieben.
Und am Ende, tja, was erwartet den Leser, einen Suchenden?


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Berwertung 6,5 von 10

15. Oktober 2007

Kali - Peter Handke


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Bewertung: 2 von 10

4. September 2007

Extremely Loud & Incredibly Close - Jonathan Safran Foer

Ich habe dieses berührende Buch in englischer Ausgabe gelesen. Der Buchtitel sagt genau das, was wir im Buch erleben werden.

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Bewertung: 10 von 10

19. August 2007

Der Jakubijân-Bau - Alaa al-Aswani

„Der Jakubijân-Bau“, ist ein Meisterwerk des zeitgenössischen, arabischen Romans. Es ist auch ein Buch, das man lesen sollte, um zu verstehen, was sich in den Tiefen mittelöstlicher Gesellschaften in Zeiten von al-Kaida abspielt. (Gilles Kepel, franz. Nahostwissenschaftler)

Der Jakubijân-Bau, früher ein Domizil für die Wohlhabenden, gibt nun seine Wohnungen für jede Gesellschaftsschicht frei. Es ist nun ein Haus, das nicht nur zum Spiegel der heutigen ägyptischen Gesellschaft wird, sondern gleichzeitig zu einer Art Geschichtsbuch Ägyptens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Durch die Lebensgeschichten einiger der Bewohner des Jakubijân-Bau, lässt uns der Schriftsteller vieles erfahren.
Hagg Muhammad Asâm, einem reichen Geschäftsmann, der sich vor der Unzucht durch eine frühe Eheschließung geschützt hat.
Der Frauenheld und Liebhaber Saki Bey al-Dassûki, der keine Kinder hat und keiner Religion angehört.
Makak Chilla, der sich ein Zimmer am Dach des Jakubijân-Bau ergaunert hat, ein Schneider der Handel mit Devisen, Immobilien, Grundstücken, Alkoholika und vielem mehr betreibt.
Und dann ist da auch noch Hâtim Raschîd, der seine Homosexualität nicht leugnet, aber leidet.
Auch die Schicksale von Taha Muhammad al-Shasli, einem intelligenten jungen Mann und seiner Schwester Buthaina, einer Verkäuferin, stellt der Schriftsteller sehr intensiv und berührend in Verbindung mit Politik und dem Islam dar.
Für mich war der Einblick in das Land Ägypten, die Stadt Kairo und dessen Gesellschaft, erschreckend. Die Grundeinstellungen des Islam sind Furcht erregend und unakzeptabel.


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Bewertung: 9 von 10

9. August 2007

Späte Familie - Zeruya Shalev

Ich dachte, 580 Seiten, da wird es wieder viele Nebengeschichten und unnötig ausgebaute Szenen geben, aber falsch gedacht! Die Geschichte über Ella, einer Ehefrau Mitte Dreißig, deren Eheleben sie nicht glücklich macht, sogar Depressionen hervorruft und sich für einen Neubeginn mit ihrem Sohn Gili entscheidet, ist schön zu lesen. Das tolle an diesem Roman ist, dass Zeruya Shalev das Leben und, die damit verbundenen Wege und Entscheidungen der Protagonistin, ganz real darstellt. Aber nicht nur von Ella wird erzählt, wie schwer ihr alles fällt, auch wie es dem Sohn ergeht und, welche Fragen sich der zurückgewiesene Mann Amnon stellt und wie er mit der Situation umgeht.
Alles ändert sich nach einer Trennung, doch viele dieser kommenden Veränderungen sieht man vorher nicht und dann kommen Zweifel auf, hinzu auch noch Vorwürfe wie; „man verlässt keinen Mann wegen romantischer Träume“.

…und von Minute zu Minute wird mir klarer, dass von mir nur eines verlangt wird, das Schwerste und zugleich auch das Leichteste, das Erhabenste und das Wertloseste, das Vernünftigste und das Gemeinste, von mir wird verlangt, dass ich aufgebe, weil es um die Rettung eines Lebens geht, denn die Katastrophe bewahrheitet sich, und das Glück ist zweifelhaft… (Ella)


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Bewertung: 7 von 10

5. August 2007

Die Valis-Trilogie Philip K. Dick

VALIS (Akronym für Voluminöses Aktives Lebendes Intelligenz-System)

Wer ist der Schöpfer des Universums, wer die Gottheit und wer Gott. Wer waren Siddhartha, Buddha, Brahama, Christus oder St. Sophia. Waren sie schon alle Gott in Mensch gewordener Form ?
„Valis“ ist ein sehr interessanter, auf theologisches Wissen und Daten aufgebauter, Roman. Man bekommt so viele Ideen beim Lesen zugeworfen, herausfordernd, aber auch verwirrend.
Philip K. Dick lässt uns auch in ein Raum-Zeit-Labyrinth eintauchen, in Kollektiverinnerungen Einblick nehmen, und sogar durch „Parsifal“ von Richard Wagner werden uns Ideen weitergegeben.

Diese interessanten Einblicke lässt uns Philip K. Dick durch das Leben des Protagonisten Horselover Fat machen. Der psychotische Protagonist, getrennt von seiner Frau Beth und seinem Sohn Christopher, macht sich in diesem Werk nun mit seinen Freunden, auf eine Sinnsuche.


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Bewertung: 6 von 10

12. Juli 2007

der metzger muss nachsitzen

Dieses Buch des österreichischen Schriftstellers Thomas Raab (geb. 1970 in Wien, Studium der Mathematik und Sportwissenschaften) ist ein Kriminalroman, aber nicht nur das, dieser Roman ist viel mehr. Es ist das Leben, das dort beginnt, wo all die Liebesfilme aufhören. Und über dieses Leben schreibt Thomas Raab.
Er erzählt in diesem Roman von Willibald Adrian Metzger, einem gemütlichen, sympathischen Einzelgänger. Ein Restaurator, der eines Tages beim Nachhauseweg von seiner Werkstatt, über die Leiche eines ehemaligen Schulkollegen stolpert. Über den Dobermann, einer der damaligen Schulkollegen, die den Metzger immer schikaniert haben. Doch als Inspektor Pospischill, auch ein ehemaliger Schulkollege vom Metzger, und er zum Unfallort zurückkommen, ist der Dobermann nicht mehr da. Willibald, den jeden Tag in seiner Werkstatt eine Flasche Rotwein begleitet, wird dadurch nicht Glaubwürdiger was dieses Leichenfundes betrifft. Das er nun selber als unfreiwilliger Ermittler tätig wird, ist nicht nur seine Neugier, und das Wissen, dass der Dobermann wirklich, mit einem spitzen Holzstück im Auge, dort gelegen hat. Nein, es beginnt ein zusammenhängender Faden von Ereignissen zu laufen, der den Leser von Beginn an mit dem philosophierenden und überblickenden Protagonisten Metzger mitleben lässt.

Zitate von Hesse und Lebensweisheiten begleiten einen in diesem Roman. Auch das Thema der zwischenmenschlichen Beziehungen, schwingt immer ganz leicht mit, und findet am Schluss ein fulminantes, berührend ergreifendes Ende.
Für mich ist Thomas Raab als Autor, eine wunderbare Entdeckung. Ich hoffe, dass Raab weiterhin dem Schreiben verfällt.


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Bewertung: 9 von10

10. Juli 2007

Zu früh, zu spät - Karl-Markus Gauß

Karl Markus Gauß erzählt in diesem Buch von Bekanntschaften und Erfahrungen, die er in seinem Leben gesammelt hat. Dabei verknüpft er Weltpolitik, Weltgeschichte, Literatur und deren Autoren. Macht sich Gedanken und spielt wenn es sein muss, auch den Kritiker. Schreibt über Europa, ost- und mitteleuropäische Staaten. Die USA den mächtigsten und reichsten Staat der menschlichen Geschichte, seinem Justizwesen, seiner Sozial- und Bildungspolitik, mit all dem die USA seiner Meinung nach, dennoch keine Aussicht hätte, in die Euopäische Union aufgenommen zu werden. Von Berlusconi, der gegen die Mehrheit der Italiener, Ministerpräsident Italiens wurde. Von Holland, das noch heute von den Zinsen jenes Reichtums, den es in seiner Kolonialzeit angehäuft hat lebt (Sklaven Indonesiens). Aber auch der Irak, Indien, England und auch Österreich werden im Laufe des Buches noch genauer unter die „Gaußsche Lupe“ genommen. Dabei erfährt man auch kritisches über „Red Bull“, Alf Poier sowie, vom leider kürzlich verstorbenen, österreichischen Ex-Bundespräsidenten Kestil.
Sehr interessant und informativ wird jeweils zu jedem Themenbereich auf einen, oder mehrere Literaten und deren Werke verwiesen. Im Zuge dessen kann sich der Leser bei Bedarf sehr viele Namen und Buchtitel notieren, die man wahrscheinlich noch nicht auf der eigenen Bücherliste vermerkt hat.
Gauß macht auch vor den großen Religionen nicht halt, zeigt deren Ängste und Zweifel in einer schnelllebigen globalen Gesellschaft. Und wie der Islam sich mit allen Mitteln gegen Veränderung und kritisches Denken schützt. Und wussten sie, dass es seit 1961 eine Stadt in Litauen gibt – eine atheistische Stadt ?


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Bewertung: 8 von 10

25. Juni 2007

Der Preis des Wassers in Finistére - Bodil Malmsten

Das Hauptthema in diesem Buch ist eine Schreibblockade der Protagonistin, einer Schriftstellerin, die aus Schweden verschwindet und an der Antlantikküste Frankreichs, im Ort Finistère ihr Traumhäuschen findet. Dort beschreibt sie in welchem Glück sie nun leben darf und wie sie ihre Zeit in ihrem Garten verbringt. Im Verlauf des Romans findet, in erster Linie, eine Aufzählung der vielen Pflanzenarten ihres Gartens statt. So lernt man, Lorbeerbäume, Zypressen, die Magnolie, Maiglöckchen, Dichternarzissen, Kresse, Esche, Iris, Nelken und ihre monumentalen Tulpen „tulpina sprengeri“ kennen. Und für den Gartenfreund gibt’s noch die richtige Pflege dazu. In diese, für den Nichtgartenfreund, zu genau beschriebenen Vorgänge, wirft die Schriftstellerin immer wieder soziale, politische, rassistische, menschliche Themen ein, die aber nur kurz angeschnitten werden. Einen kurzen, interessanten Einblick über Schweden, gibt es dann doch zu lesen, an dem sie aber kein gutes Haar lässt.
Wenn man gerne Pflanzen umtopft, weiterzüchtet, sich auch in seinem Blumenmeer am wohlsten fühlt, dem könnte dieser Roman sogar gefallen.

Eine Amazon-Rezension: Gerne würde ich potentiellen Lesern des Buches mitteilen, dass es Zeitverschwendung sei, dies Buch zu lesen. Aber jemanden daran zu hindern, seine Zeit zu verschwenden, hieße ihn am Leben zu hindern - und wer wollte das schon.

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Bewertung: 2 von 10

22. Juni 2007

Die Tochter des Schmieds - Selim Özdogan

Ein Türke, eine türkische Frau, diese Worte sind meist schon negativ, für uns, besetzt. Es sind Menschen aus einem anderen Land, sie sind anders, macht man sich aber auch mal Gedanken darüber warum das so ist ? Sie werden von uns schon verurteilt, ohne sie kennen zu lernen, zu verstehen, zu akzeptieren. Wer von uns nimmt sich Zeit dafür zu hinterfragen was in der Türkei passiert, wie das durchschnittliche alltägliche Leben dort abläuft. Was es heißt als Antwort immer zu sagen, „Herr dein Wille geschehe, und der liebe Gott beschützt uns, und danach geht es uns gut im Paradies“ ! Alles hinnehmen, dulden, ertragen und noch dankbar sein.

Es ist eine wunderschön erzählte Lebensgeschichte von Gül, der Tochter des Schmieds – die alles duldet. Nie ein „Danke“ hören, weil es normal ist, alles zu tun das man aufgetragen bekommt, obwohl der Vater sie über alles liebt, seine Gül. Niemand achtet auf deine Tränen. Es ist schwer mit der Stiefmutter Arzu eine Nähe aufzubauen, aber Gül gibt für ihre Geschwister Melike und Sibel alles. In der Schule schafft sie den Abschluß nicht und um den Eltern nicht länger viel Mühe zu bereiten, heiratet man eben. Früher oder später heiraten alle. Sie erlernt als Lohn einen Beruf, den der Schneiderin. Diesen Job wird sie dann auch in stundenlanger Arbeit in Deutschland verrichten.

„Jeder geht jetzt nach Deutschland, sag Gül.
Ja, es ist ein gutes Land, es ist sauber, und man kann dort Geld verdienen. Die reiten nicht mehr auf dem Rücken von Eseln, das sind zivilisierte Menschen. Und unsere Freunde aus alten Zeiten.“

Das Buch ist sehr berührend. Man kann sich nun auch eine kleine Vorstellung machen, auf welchem Wissen, und unter welchen Lebensumständen dieses Volk erst ein, für uns selbstverständliches, mordernes Leben aufbauen muss.


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Bewertung 7 von 10

12. Juni 2007

Don Juan - Peter Handke

Diese Art zu Schreiben, verträumt, sensibel, märchenhaft, ist wunderschöne Kunst. Doch entweder findet man diese Kunst schön und fühlt sich wohl dabei, oder man nimmt längere Zeit kein zweites Buch dieser Art in die Hand.

Don Juan erzählt von sehr innigen Liebeserlebnissen aus seiner Vergangenheit, während er einen einwöchigen Aufenthaltes im Garten einer Klosteranlage verbringt . Der Frauenheld, der es schafft, jeder Frau das Gefühl zu geben etwas ganz besonders zu sein, egal ob aus Damaskus oder dem Kaukasusflußland, Holland oder Nordafrika. Ungewollt setzt er in den Frauen das Begehren gerettet zu werden frei, wovor ist den Frauen zunächst selbst unklar. Doch um bei all diesen Abenteuern nie ein Ehebrecher oder gar Mörder zu werden, gibt es als letzten Ausweg immer wieder nur die Flucht. Aber ist es die Angst vor Verantwortung, dem Freiheitsentzug, oder eine unverbindliche Art von Würde und Achtung der Frau gegenüber, die Don Juan immer wieder zum Weiterziehen zwingt ?
Peter Handke ist ein Könner der Sprache und man entdeckt hier auf jeden Fall ein besonderes Lesen, rührend Anders.


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Bewertung: 6,5 von 10

23. Mai 2007

Der Pfau weint - Hong Ying

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Bewertung 3 von 10

18. Mai 2007

Wovon die Wölfe träumen - Yasmina Khadra

Es ist nicht falsch, wenn wir Angst haben vor dem gelebten Glauben des Islam. Wie hier geschildert in Algerien. Yasmina Khadra beschreibt in diesem Roman, wie fanatische Islamisten die Stimmungsschwankungen der „verlorenen Seelen“ missbrauchen, und ihre Wankelmütigkeit ausnützen, um sie für die Bewegung einzuspannen. Es wird ihnen eine Zugehörigkeit vermittelt, Arbeit und damit Verantwortung gegeben. Man muss immer in der Gruppe bleiben und wird geeint durch dasselbe Ideal: die islamistische Revolution. Und Mord wird zum Ritual erklärt. Es verwandelt den Toten in eine Opfergabe, den Mord in einen Akt der Huldigung gegenüber Gott. Es ist egal wer gegen die Bewegung ist, ob verwandt, bekannt, oder Freund.
„Nach dem Dritten macht es einem nichts mehr aus“, tröstete mich Sofiane.

Dieser Roman erzählt uns, wie eine solche Gehirnwäsche abläuft. Nafa Walid, ein arbeitsloser, von den Eltern ausgehaltener, zielloser junger Mann, dessen größter Traum es ist, ein Schauspieler zu werden, geht nicht in Erfüllung. Dann sucht er Erlösung im Gebet und wird zum Soldaten der bewaffneten Islamisten, den KATIBA. Yasmina Khadra beschreibt diesen Weg schrecklich realistisch durch die Darstellung einiger dramatischer Lebensgeschichten, die zu dem Weg den Nafa Walid geht, unweigerlich beitragen.
Ein muss der Zeitgeschichte !!


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Bewertung: 8 von 10

12. Mai 2007

Snack Daddys Abenteuerliche Reise - Gary Shteyngart

Mischa Borisowitsch Vainberg, 30 Jahre, ungeheuerlich übergewichtiger Mann mit tief liegenden blauen Augen, einem hübschen jüdischen Zinken, der an die edelsten Papageiarten erinnert und so zarten Lippen, dass man sie nur mit dem nackten Handrücken abputzen möchte. Und der Sohn des 1238streichsten Mannes in Russland.
„Es geht um meine eigene Machtlosigkeit und Verstrickung in der Welt um mich herum“

Mischa erlebt wirklich eine beeindruckende abenteuerliche Reise, Russland, New York,
St. Petersburg, Absurdistan. Mit seinen Begleitern Aljoscha-Bob dem besten Freund, Rouenna seiner große Liebe, Timofej sein Diener, Dr. Levine, dem demokraten Trotl , wird uns das gewalttätige, liebeshungrige Zeitalter vorgeführt, und das in satirischer Form aber mit unglaublichem Tiefgang. Auch mit den Themen, Sexualität, Holocaust, Antisemitismus, Fundamentalismus. Politische Verwicklungen, mit Russland, Amerika, Iran, Türkei, Belgien, Absurdistan, die unsere heutige Zeit karikieren.

Gary Shteyngart ist einfach wortgewaltig, oft richtig geschmacklos und unappetitlich, und doch so wahr !


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Bewertung: 10 von 10